Aufgrund der west- und mitteleuropäischen Ausbauziele für Offshore-Windenergieanlagen in der Nordsee, in Ergänzung zu den Windturbinen in der küstennahen Zone, sehe ich eine Notwendigkeit, diesen Artikel mit einer darin formulierten Hypothese vorzulegen. Damit soll ein Beitrag zu einer meines Erachtens dringend erforderlichen geo- und umweltwissenschaftlichen Forschung sowie zum umweltpolitischen und umweltrechtlichen Diskurs - zusätzlich zu weiteren Veröffentlichungen verschiedener Autoren nd Institutionen angeregt werden.
Der großflächige Ausbau von Offshore-Windenergie in der Nordsee bringt aufgrund sich aufsummierender Wirbelschleppen einen kumulativen Entzug kinetischer Energie aus der Atmosphäre mit sich. Er verändert zugleich die hydrodynamischen Bedingungen im Schelfmeerbereich, also die marine Strömung. Während lokale Effekte von Offshore-Windparks auf Turbulenz, Schichtung und marine Ökosysteme dokumentiert sind, ist bislang kaum untersucht, ob sich aus den Einwirkungen in die atmosphärisch-marine Strömungsdynamik systemische Effekte im gekoppelten Nordsee–Ostsee-System ergeben könnten.
Die Hypothese dieses Beitrags lautet, dass durch die weiter zunehmende Installation von Offshore-Windenergieanlagen in der Nordsee sowie im Küstenbereich verschiedener Staaten eine technogene Beeinflussung der Intensität von Major Baltic Inflows, also dem Einströmen atlantischen Meerwassers in die Ostsee möglich sein könnte. Angesichts der geplanten Ausbaugrößen bis etwa 2025 erscheint es dringend geboten, Atmosphären–Ozean-Kopplungen und deren kumulative meeres- und geoökologische Rückkopplungen künftig in strategische Umweltplanungen einzubeziehen und eine bisher stark lokal ausgerichtete Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durch strömungsdynamische Effekte zu ergänzen.
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